In seinem neuesten Buch argumentiert Martyn Frampton, dass die Muslimbruderschaft ein widersprüchliches Establishment ist, aber ihre Widersprüche sind auch Teil ihrer Erfolge.
Hans Henrik Fafner
Fafner kritisiert regelmäßig in Modern Times Review.
Erscheinungsdatum: Juni 7, 2018

Die Muslimbruderschaft und der Westen: Eine Geschichte der Feindschaft und des Engagements
Autor: Martyn Frampton
Belknap Press / Harvard University Press, USA

Bei einer Diskussionsrunde zum Thema Islamismus im Jahr 2005 in Paris machte der französische Wissenschaftler Olivier Roy geltend, dass westliche Politiker überlegen sollten, wie Islamisten in das politische System integriert werden sollten, wenn sie ein echtes Interesse an Reformen hätten.

Bis dahin seien Versuche, islamische Gruppen im Nahen Osten einzudämmen und an den Rand zu drängen, gescheitert. Es war vier Jahre nach dem 9. September, und die Welt war so gespalten wie immer. Im Oktober dieses Jahres sagte der derzeitige Präsident George W. Bush: «Der islamische Radikalismus enthält wie die Ideologie des Kommunismus inhärente Widersprüche, die zum Scheitern verurteilt sind.»

«Als Hassan al-Banna 1928 die Muslimbruderschaft gründete, betrachtete er den Säkularismus als die tödlichste Waffe, die die Europäer jemals erfunden hatten.»

Diese Behauptung kann natürlich bestritten werden. In gewisser Weise ist es genau das, was Martyn Frampton in seinem neuen Buch tut. Als Leser der modernen Geschichte an der Queen Mary University in London beschreibt er die historischen Beziehungen zwischen der ägyptischen Muslimbruderschaft, und dieser Bericht ist weit entfernt von dem monolithischen Bild, das wir in unserer Zeit oft vom Islamismus bekommen.

Es ist eine Bewegung mit vielen Elementen, und ja, inhärente Widersprüche sind ein wesentlicher Teil des Bildes, aber im Fall der Bruderschaft sind ihre Widersprüche auch einige der wichtigsten Erklärungen, wenn es um ihre Macht und ihr Überleben geht.

Ein kluger, politischer Spieler

Als Hassan al-Banna 1928 die Muslimbruderschaft gründete, betrachtete er den Säkularismus als die tödlichste Waffe, die die Europäer jemals erfunden hatten. Er sah darin eine Herausforderung für das islamische Kernideal von Tawhid - die Einheit des Lebens, die die Natur des Göttlichen widerspiegelt. Aber al-Banna war nicht per se antiwestlich. Vielmehr wollte er die besten Elemente des «Westens», die er selbst oft mit der Moderne verband, nutzen und mit einem islamischen Geist in Einklang bringen. Er ist berühmt dafür, dass er gesagt hat: "Haram-Kino ist Haram, und Halal-Kino ist Halal."

Sein Weltbild war ein Spiegelbild dessen, was er damals in Ägypten um sich herum sah. Das Land stand unter britischer Herrschaft und al-Banna war sich des sozioökonomischen, politischen und nicht zuletzt des kulturellen Einflusses in der ägyptischen Gesellschaft sehr bewusst. Seine Bewegung war ein Weckruf, ein Versuch, den Stolz und das Selbstbewusstsein des Volkes wieder in Gang zu bringen. Er war zum Beispiel nicht gegen moderne Technologie; Stattdessen zählte der Inhalt.

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